Montag, 18. Oktober 2021

Leap oder Tumbleweed

Obwohl es im fast grenzenlosen Distributionswald mehr als genug Auswahl gibt sich ein Lieblingsbetriebssystem neben Windows auszusuchen, gibt es bekanntermaßen auch innerhalb der meisten Distributionen verschiedenste Varianten. Bei einigen ist es nur die grafische Oberfläche die man sich aussuchen kann, bei anderen lässt sich auch noch zwischen Stable, Unstable, Experimental, Unterhose und was auch immer wählen.

Über Sinn und Unsinn kann man wunderbar streiten und ich für meinen Teil halte die unfassbare Fragmentierung der Linux-Szene für das größte Hindernis um irgendwann einmal auf dem "Casual" Markt anzukommen. 

Aber.. anderes Thema. 


openSuse - Eine Distribution der Missverständnisse

Da ich für meinen Teil von Stunde Eins an ein SuSe Kind bin (deutsche Wertarbeit und so..), und damit wahrscheinlich erst wieder aufhöre wenn es Suse nicht mehr gibt. Gibt's an dieser Stelle mal einen kleinen Vergleich zwischen openSuse Leap (##.#) und openSuse Tumbleweed und für wen, welche Variante eigentlich ist.

Wer noch wissen möchte warum man sich ausgerechnet openSuse mal anschauen sollte, hier eine kurze Zusammenfassung:

- openSuse basiert auf der kommerziell erhältlichen Suse Linux Enterprise Version und bietet damit ein äußerst zuverlässiges Grundsystem 

- openSuse ist nicht abhängig, es basiert nicht auf einer anderen Distribution und auf dessen Entwicklung. 

- YaST ist nach wie vor das beste Tool der gesamten Linux Szene um auch administrative Dinge    grafisch Hand zu haben, auch wenn es gerne verschrien wird und für Kinderadmins empfohlen oder          ähnliches sei, macht es was es soll und das Märchen von zerfetzten Konfigurationen trifft schon    lange nicht mehr zu.

- Der Open Build Service bietet einen riesen Haufen Software aus der Community.  (Auch für andere Distributionen) software.opensuse.org

- 'Freedom of choice' als Motto. Zwar gilt KDE als der traditionelle Desktop und am besten integriert, trotzdem sind so ziemlich alle anderen Oberflächen verfügbar und sind trotz eigenem openSuse touch immer sehr "vanilla" belassen.

 

Was kann was

Die grundsätzlichen und offensichtlichen Unterschiede sind leicht erklärt,
openSuse Leap ist eine stabile Version die nach Veröffentlichung fast ausschließlich von Sicherheitsupdates lebt. Neue Features oder neue Softwareversionen werden hier nur sehr sporadisch bis hin zu überhaupt nicht eingepflegt. Eine Leapversion wird dann ungefähr 2 Jahre lang unterstützt bis es durch eine neue Unter-Version, z.B von 15.2 auf 15.3 aufgerüstet werden sollte. Alle paar Versionszyklen wird eine sogenannte "Evergreen" Version auserkoren diese erhält dann eine garantierte Lebenszeit von drei bis vier.. aber eher vier Jahren.

openSuse Tumbleweed ist genau die andere Richtung. Brandaktuelle Softwareversionen und potenziell unendliche Supportzeit lässt im Grunde keine Wünsche offen. Alles ist immer brandheiß und nach eigenen Aussagen getestet, da so ein Rolling Release System ja auch gerne mal über den Jordan geht nachdem das neueste Zeug installiert wurde. Ich persönlich hatte mit Tumbleweed erst ein einziges fatales Upgrade erfahren, was in ungefähr 5 Jahren Nutzungszeit eine ziemlich gute Quote ist.


Für Laien, aber nicht für Noobs

Nichts dem zum Trotze kann man Tumbleweed dem Noob nicht empfehlen, dem Laien aber schon. 
Trotz, oder gerade wegen der Aktualität kann Tumbleweed von Zeit zu Zeit irritieren. Programmupdates bringen früher oder später Veränderung mit sich die dann und wann eine Umgewöhnung erfordern. So können sich Einstellungen plötzlich anderswo befinden, oder Funktionen wurden komplett gestrichen bzw sind dazu gekommen. Klingt trivial aber wer schonmal verzweifelt den guten alten Einstellungsknopf bei so ziemlich allen KDE'schen Programmen vermisst hat, der wird wissen wovon die Rede ist. Schlimmer wirds wenn sich kleine, aber nervige Bugs einschleichen und einige Programmfunktionen plötzlich nicht mehr das tun was sie sonst immer getan haben.

Tumbleweed neigt auch zu sehr regelmäßigen Updates die dann auch beinahe immer sehr groß ausfallen. Leute die von Windows wechseln weil ihnen die Updatepolitik auf die Nerven geht, werden mit Tumbleweed auf ihren Meister treffen. Täglich ploppt hier die Meldung auf dass was neues installiert werden kann. Der Updaterei lässt sich allerdings recht einfach Einhalt gebieten indem man die Suche nach Updates auf "Wöchentlich" stellt oder gleich auf die automatischen Online Updates in YaST umstellt. 


Schön Leap sein

Leap ist da eher eine genügsame Distribution, für Leute die mit ihrem Betriebssystem nicht sonderlich viel zu tun haben wollen. Einmal eingerichtet arbeitet es vor sich hin und macht genau das ohne jemanls müde zu werden dieses zu tun, bis zum nächsten Upgrade. Immermal wieder fliegt ein kleines Update rein aber man muss hier nie Angst haben dass sich Gott weiß etwas verändert. In aller Regel handelt es sich rein um sicherheitsrelevante Patches oder wichtige Bug Fixes. Frischen Wind gibt es hier nicht, ist aber auch nicht gewollt. 

Ironischer Weise ist es genau das was mich für meinen Teil immer wieder zu Tumbleweed schickt. Leap halte ich zwar für das potenziell bessere und stabilere System aber jetzt aktuell bei 15.3 ist mir die KDE Plasma Version schon 'zu alt' und ich hatte hier einige Schwierigkeiten mit Wayland und dem Properietärem Treiber von NVIDIA, ganz zu schweigen von Gnome, aber mit Gnome bin ich ohnehin ziemlich fertig :-)  
Aber noch viel wichtiger. Rolling Release ist einfach eine fantastische Sache, und wenn die Jungs und Mädels Entwickler den Stabilitätsstandart bei Tumbleweed beibehalten, werde ich noch lange ein sehr zufriedener Anwender sein.

Jut, wisster bescheid.