Montag, 13. Juni 2022

Enlightenment

Einer der ältesten Hasen und gleichzeitiger Underdog unter den grafischen Oberflächen ist der Enlightenment Desktop. Kaum beachtet aber (mittlerweile) hart brauchbar, ist der Enlightenment Desktop in der Linuxszene eine feste... kleine Größe.

Hochkonfigurierbar, sauschnell, auch auf alten Geräten, und schön anzusehen fristete Enlightenment ein Dasein ohne nennenswerte Attribute, außer die genannten.
Mit der Zeit entwickelte sich das ein Mann Projekt allerdings zu einer soliden Oberfläche inklusive Software wie Dateimanager, Terminal, Photoviewer, Texteditor, Widgets, und alles was so dazu gehört. Was vor einigen Jahren 'eher nur' ein Eyecandy war ist heute ein ernst zu nehmender Desktop.

Enlightenment 0.25 mit Flat Design


Versucht man Enlightenment mit anderen Oberflächen zu vergleichen fällt schnell auf das er gänzlich auf eigenen Beinen steht und weder auf Qt noch auf GTK basiert, oder viel mehr davon  abhängt. Stattdessen verwendet man die eigenhändig entwickelten Enlightenment Foundation Libraries (EFL). Diese vereinen, ähnlich GTK und Qt die hauseigenen Anwendungen und Bibliotheken unter einem Dach. Ich erspare uns Technobabbel denn für die Benutzung spielt es eh keine Rolle. Alle Linuxanwendungen ob nun Qt, KDE oder Oma Elfriede funktionieren wie gewohnt und werden entsprechend integriert.

Anfängliche Verwirrung

Benutzt man Enlightenment zum ersten mal wird man durch einen kleinen Wizard geführt der einen das grundlegende Look and feel für Enlightenment einrichtet, Schriftgröße, Design und Panel oder Leiste sowie die Sprache in der der Desktop angezeigt werden soll. 
Soweit so leicht aber sofort danach fällt auf dass es den klassichen Rechtsklick nicht gibt, sondern ein Gesamtmenü am Cursor erscheint wenn man die Linke Maustaste benutzt. Das ist anfangs sehr gewöhnungsbedürftig und auch die Menüführung scheint anfangs irritierend.

Vor allem der Umgang mit dem Panel an der Bildschirmkante kann anfangs äußerst verwirrend sein und es bedarf etwas Ausdauer bis man den Umgang und das Zusammenspiel von Gadgets, Modulen und dem shelf begriffen hat. 

Einstellungen gibts viele... sehr viele.

 

Kleines Beispiel: Anders als bei anderen Oberflächen wird euch Englightenment standartmäßig nicht informieren wenn es Softwareupdates gibt - Das wird auf lange Sicht zu Problemen führen. Versucht man nun mittels 'contents' ein entsprechendes Gadget dem shelf (so heißt das panel) hinzuzufügen, wird man in der Liste mit möglichen Gadgets nicht fündig. Denn das Modul zur Paketaktualisierung ist standartmäßig deaktiviert und muss erstmal per Hand im Modulmanager aktiviert werden.Warum nicht gleich alle Module zur Wahl stehen, man weiß es nicht. Dumm ist es allemal denn wenn man es in der Auswahlliste nicht findet, geht man schon irgendwie davon das Enlightenment sowas überhaupt nicht anbietet.

Wenn ihr Lust auf ein kleines Puzzle habt, installiert euch mal Enlightenment und versucht die Desktop Icons verschwinden zu lassen. Es geht, ganz offiziell ohne was zu löschen, aber den Haken ohne Hilfe zu finden ist eine sehr spaßige Beschäftigung über Stunden.


Workflow

Ansonsten entwickelt sich der Workflow unter Enlightenment nach einigen Sessions ganz gut und vor allem der 'Everything starter' ist ein ziemlich cooles Werkzeug was mit dem Gnome Dashboard oder Krunner vergleichbar ist. 

Everything starter

Der generelle Workflow lässt sich nach belieben anpassen, so man die Einstellungen mal gefunden hat. Wer gerne mit Tastenkürzeln und Arbeitsflächen arbeitet kann dies tun, wer auf tiling steht kann das tun und wer mit viel Klicken und Bunt arbeiten will kann auch das tun.

Das 'shelf' mit eigentümlichem Layout

Mehrwert

Enlightenment ist keine Revolution, aber eine schicke, flotte und robuste Oberfläche die sich hinter ihren großen Brüdern und Schwestern nicht verstecken muss. An einigen stellen wirkt es zwar etwas aus der Zeit gefallen wenn jeder zweite Mausklick irgendwelche Effekte über den Bildschirm wabbeln lässt, man merkt aber schon dass die Entwickler bemüht sind sich die feschen Effekte zwar nicht nehmen-, aber sie auch nicht nervig erscheiden zu lassen. Ansonsten könnte der Umgang mit Enlightenment und seiner brutalen Konfigurierbarkeit etwas Liebe vertragen im Sinne von, benutzungsfreundlicher machen.
Nichts dem zum trotze, wer mal ein bisschen Langeweile kann sich, wie immer,  Enlightenment mal unverbindlich anschauen.


Mehr Infos:

https://www.enlightenment.org/
https://de.wikipedia.org/wiki/Enlightenment

Hier verwendete Enlightenment Version: 0.25.3