Samstag, 20. August 2022

openSuse MicroOS

Grad stößt man im Netzt, zumindest in der Bubble immer wieder auf den Begriff Micro OS im Bezug auf openSuse / Linux aber so richtig begreifen was das sein soll ist schwer. 

MicroOS soll ähnlich RedHat- / Fedora's Silverblue ein containerbasiertes Betriebssystem sein, was im weitesten Sinne das Grundsystem unantastbar macht und jegliche installierte Software für, und in sich arbeiten lässt, Stichwort: Flatpaks.

Als würde man auf seinem Rechner eine Virtuelle Maschine für jedes Programm einrichten, weil man auf den eigentlichen Betriebssystem nichts installieren darf, außer virtuelle Maschinen. 


 


"stable base + fresh apps? sign me up."

So lässt sich das eigentlich am besten beschreiben. Silverblue und MicroOS wollen das Linux-Rad zwar nicht neu erfinden, aber... wie soll man es am besten sagen... umgestalten. So ist die Idee von Containersystemen folgende: Auf ein schreibgeschütztes Basissystem das die wesentlichsten Programme und tools enthält werden Flatpak Pakete gekloppt mit denen Nutzer arbeiten können. Flatpaks arbeiten alle für sich selbst und kommen mit dem eigentlich Grundsystem erst garnicht in Berührung, bzw. werden dadurch nicht beeinflusst.

Das hat den unmittelbaren Vorteil, dass solche Systeme unkaputtbar und von außen kaum anzugreifen sind. Durch erweitern vom Grundstem kann man sich seine eigene Grundfläche schaffen die immer und überall gleich ist, egal wo und wie oft man sie installiert - hochattraktiv für Serverfarmen und Infrastrukuren mit vielen Arbeitsplätzen. 

Die Software die durch Flatpaks zur Verfügung gestellt wird, kann vom Nutzer beliebig installiert und gelöscht werden. Da sie keinen Einfluss auf das Grundsystem nehmen, ist es unmöglich das eigenltiche System zu beeinträchtigen.

Vorteil langfristig, dass Flatpak bzw. Flathub die ultimative Softwarequelle für alle künftigen Containerbasierten Linuxsysteme wäre und der Beruf des 'packagers' der immerwährend Software für diverse Distributionen zusammenklöppelt, komplett entfällt und die Schöpfer der Software selbst ihre Pakete einmal, aber für alle Containersysteme pflegen können.

Aber

Klingt ja richtig gut, findet auch viel Zuspruch. Was dabei allerdings etwas aufstößt, ist das Abwenden von der eigentlichen Idee von Linuxoiden Systemen. Stichworte wie freedom of choice, custom patches, hotfixes und die grundlegende Modularität durch globale Biblioheken gehen mehr und mehr verloren. Die Schwelle zwischen properietär, free und open source verschwimmt durch Flatpaks zunehmend, dabei sage ich hier nicht dass es perse´ schlecht ist klassische Repositories zu zentralisieren und auf Flatpaks herunterzubrechen, aber die Gefahr dass mehr und mehr Bestandteile eines Grundsystems zu Flatpaks werden ist durchaus gegeben.
Wenn es soweit mal kommen sollte ist entweder die Modularität, oder the freedom of choice dahin, ..oder es gibt einen undurchschaubaren Wald an diversen verschieden Flatpakversionen von ein und dem selben Programm.

Außerdem ist vor allem im reinen Anwenderbereich ein Containerbasiertes System überhaupt nicht nötig, sicherheitstechnisch schießt man mit Kanonen auf Spatzen, ohne root Zugang kann schon heute keinen Einfluss auf das Basissystem nehmen und dem krassen Hacker mit Zugang zu deinem rootaccount pfeifft auf noch viele Container.

Feldtest

Da ich ein großer Freund von Fortschritt bin und das neue für das einzig Wahre halte, hab ich mir mal openSuse's MicroOS Desktop angesehen und war nach der Einrichtung richtig fertig mit der Welt. Woran es genau liegt ist mir nicht in Gänze klar aber im Zentrum des ganzen steht _zunächst_ der Gnome Software Store über den man bequem Flatpak's installieren soll.
Nur leider ist dieser Gnome Store einfach UNFASSBAR(!!11einself) lahmarschig, verweigert nach jeder zweiten Suchanfrage seinen Dienst und die Installation von Flatpaks dauert unerträglich lange.
Wie gesagt, ob es am Store liegt, an Flatpaks oder an irgendwas anderem... keine Ahnung.

Kleiner Tipp stand Heute: Die KDE Variante von MicroOS-Desktop, die zwar noch als Alpha Version beschrieben wird, macht im Gegensatz zur Gnome Variante einen deutlich flotteren und ausgereifteren Eindruck. ...KDE ist halt einfach superior <3 

So oder so, irgendwann ist die Installiererei ja erledigt und dann hat man endlich sein Containersystem mit den Programmen die man haben will und kann anfangen zu arbeiten. 

Umdenken

Man muss schon etwas umdenken auf MicroOS, denn Basissystem und _der Rest_ sind klar voneinander getrennt. Trotzdem kann man als erfahrener Administrator sein Basissystem beliebig erweitern indem man per transactional-updates oder per toolbox, Software wie gewohnt installiert.

Beispiel:
Ich will Gimp nicht aus den Flatpaks, sondern in meinem Grundsystem haben. Dazu muss ich das Terminal bemühen und folgendes eingeben:

    $sudo transactional-update pkg install gimp

Nach einem Neustart ist Gimp ein Teil des unantastbaren Systems, bzw all die Abhängigkeiten die es mitbringt um zu arbeiten, nutzerspezifische Konfigurationen sind wie gehabt im Heimverzeichnis hinterlegt. Im Grunde alles wie bei allen anderen Distributionen auch, aber ein Containersystem verfolgt nunmal einen anderen Grundgedanken imdem, wie schon erwähnt die Basis unberührt und weitesgehend frei von 'nicht Distributoranwendungen' bleiben soll. 

Was übrigens richtig gut an transaktionalen Updates ist, jedesmal wird ein Snapshot gemacht. Im Grunde sowas wie ein Wiederherstellungspunkt und wenn mal ein Update in die Hose geht, kann man beim Booten einfach auf den letzten Snapshot zurückwechseln wo alles noch ging. Dies erkennt MicroOS übrigens selbst. Wird das Runlevel durch einen Fehler nicht erreicht, wird automatisch auf den nächsten Snapshot zurückgegriffen. 

Varianten

MicroOs basiert standartmäßig auf openSuse Tumbleweed, wird also potenziell bis in alle Ewigkeit aktualisiert ohne das man sich darum kümmern müsste. 

Es gibt auch Leap Micro, diese Variante basiert, wie es der Name schon vermuten lässt, auf openSuse Leap. Leap Micro setzt dem Kanonen auf Spatzenbeschuss nochmal einen oben drauf.


Hier noch kurz, damit ichs nicht vergesse ein klitschko kleines Tutorial wie NVIDIA Treiber auf MicroOS installiert werden:


    $sudo zypper addrepo -f https://download.nvidia.com/opensuse/tumbleweed NVIDIA

    $sudo tukit --continue execute bash

    $zypper ref && zypper dup

    $zypper install x11-video-nvidiaG05 nvidia-glG05 nvidia-computeG05 nvidia-gfxG05-kmp-default

    $exit

    $sudo reboot

statt tukit kann man auch "toolkit enter"nehmen, oder

    $sudo transactional-update pkg install  x11-video-nvidiaG05 nvidia-glG05 nvidia-computeG05 nvidia-gfxG05-kmp-default

Und statt ...gfxG05... kann man auch ...gfxG06... für den aktuellsten Treiber nehmen.

Abschließend

Für wen ist MicroOS gedacht?
Grundsätzlich für Server und Fälle in denen viele Systeme konsistent ausgestattet und gepflegt werden müssen. Der Mehrwert für Desktopanwender hält sich stark in Grenzen, wer ein Freund von unzerstörbaren und vor allem anpassbaren Grundsystemen ist, für den ist MicroOS das richtige. Man muss allerdings damit zufrieden sein alles weitere dezentral zu machen, bzw sich auf Flatpaks zu verlassen. Alles in allem ist es wert das ganze im Blick zu behalten, denn Containersysteme sind gekommen um zu bleiben.
Wer keine Lust hat sich MicroOS zu installieren, kann auch einfach auf seinem jetzigen System alle Programme löschen und ausschließlich als Flatpaks wieder installieren. Das ist ungefähr das selbe ... tatsächlich sogar ;-)

Jut, wisster bescheid.


Portal MicroOS (und Downloads)

Portal MicroOS Desktop

Portal Leap Micro

Fedora Silverblue